“Amokläufer von München war Rechtsextremist” (FAZ am 28.Juli 2016). – Einen “politischen Hintergrund” hatte der Oberstaatsanwalt vor sechs Tagen noch ausdrücklich ausgeschlossen …


Amokläufer von München war Rechtsextremist
Er war stolz darauf, wie Hitler am 20. April geboren zu sein: Der Münchner Amokläufer war zwar nicht in die rechtsextreme Szene eingebunden, trotzdem war er eindeutig rassistisch. Das hat die F.A.Z. erfahren. Der Deutsch-Iraner hasste Türken und Araber.
27.07.2016, von Markus Wehner, Berlin, F.A.Z. exklusiv

Der Täter von München, Ali David S., war ein Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild. Er habe es als „Auszeichnung“ verstanden, dass sein Geburtstag, der 20. April 1998, auf den Geburtstag von Adolf Hitler fiel. Das erfuhr die F.A.Z. aus Sicherheitskreisen. Entsprechende Aussagen über seine Begeisterung für Hitler stammen demnach aus dem engsten Umfeld von S. Auch sei S., der aus einer iranischen Familie stammt, stolz darauf gewesen, als Iraner und als Deutscher „Arier“ zu sein. Ursprünglich gilt Iran als die Heimat der Arier. Türken und Araber habe S. hingegen gehasst. Er habe ein „Höherwertigkeitsgefühl“ ihnen gegenüber gehegt.

Die Ermittler gehen daher auch der Hypothese nach, ob S. bei seiner Tat gezielt Menschen mit ausländischer Herkunft getötet hat. Alle seine neun Opfer hatten einen Migrationshintergrund, sechs waren Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, zwei waren junge Erwachsene im Alter von 19 und 20 Jahren. Drei Jugendliche waren türkischstämmig, zudem wurde eine 45 Jahre alte türkische Frau getötet. Drei andere Jugendliche – ein Junge und zwei Mädchen – waren Kosovo-Albaner.

Für die Annahme, dass S. aus rassistischen Motiven heraus tötete, spricht, dass er mehr Menschen hätte umbringen können – er führte 300 Schuss Munition bei sich. Bisher war seine Tat als Amoklauf beschrieben worden, der sich aus einer psychischen Erkrankung und der Erfahrung des Mobbings durch Gleichaltrige gespeist habe. In Strukturen der rechtsextremistischen Szene in München war S. nicht eingebunden.

Für die rassistische Gesinnung spricht auch der Wortwechsel, den S. sich nach seiner Tat mit einem Anwohner des Olympia-Einkaufszentrums lieferte, der ihn von seinem Balkon aus beschimpfte. S. rief dabei unter anderem „Scheißtürken!“. Außerdem legte er Wert darauf, dass er Deutscher und in Deutschland geboren sei. S. beging seine Tat bewusst am fünften Jahrestag des verheerenden Anschlags durch den norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik.

Ihn betrachtete S. als Vorbild. Breivik hatte am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen umgebracht. Seine Opfer waren vor allem jugendliche Teilnehmer eines Zeltlagers. Breivik erschoss damals kaltblütig 69 Menschen, fast die Hälfte war jünger als 30 Jahre.
www.faz.net/aktuell/politik/inland/f-a-z-exklusiv-amoklae…

Amokschütze von München
Herrmann bestätigt Hinweise auf rassistisches Weltbild

Auch nach Angaben des bayerischen Innenministers gibt es Hinweise darauf, dass der Amokschütze von München ein rechtsextremistisches Weltbild hatte. Damit bestätigt Herrmann entsprechende Recherchen der F.A.Z.
28.07.2016, von Albert Schäffer und Rüdiger Soldt

Kontakt zu Schüler in Ludwigsburg

Eine weitere Spur, der die Ermittler derzeit nachgehen, führt aus München nach Ludwigsburg. Dort wurde in der Nacht zum Dienstag ein 15 Jahre alter Junge kurzzeitig verhaftet, der im Begriff war, einen Amoklauf an einer baden-württembergischen Schule zu verüben. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte dieser Junge Kontakt zum Münchner Amokläufer – der allerdings schon lange vor dem Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum zustande gekommen war. Der 15 Jahre alte deutschstämmige Junge und der 18 Jahre alte deutsch-iranische Amoktäter sollen Bilder und Informationen über den Internetdienst Instagram sowie über das legale Gamer-Forum „Steam“ ausgetauscht haben. Beide hätten sich als Mobbing-Opfer gefühlt. „Im Ludwigsburger Fall haben wir keine Hinweise auf rechtsextreme Tendenzen, der Verdächtige hatte Schulprobleme, die sich dann aber gelegt haben. Deshalb nahm er wohl auch Abstand von seinen Plänen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Der Ludwigsburger Fall lasse derzeit keine Rückschlüsse auf möglicherweise rechtsextremistische Motive des Münchner Täters zu. „Nur, weil sie vor längerer Zeit mal Kontakt gehabt haben, müssen sie für ihre Taten nicht die gleichen Grundmotive gehabt haben“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Ludwigsburger Schüler hatte sich bereits Anfang des Jahres von seinem Vorhaben distanziert, er befindet sich jetzt in psychiatrischer Behandlung. Die Polizei hatte in der elterlichen Wohnung des Verdächtigen Messer, Dolche, kleinkalibrige Munition sowie Chemikalien und Anleitungen zur Herstellung von Sprengmitteln gefunden. Ob sich die beiden Personen mal getroffen haben und ob der Kontakt im Zusammenhang mit einem Besuch von Ali Daniel S. in Winnenden, wo es am 11. März 2009 einen Amoklauf mit 15 Opfern gab, steht, muss durch weitere Ermittlungen noch geklärt werden. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg sagte: „Für uns ist die Kuh vom Eis, man sollte die Fälle nicht verquicken.“ Die Hintergründe des Münchner Falls müsste jetzt das bayerische Landeskriminalamt klären.


"Sonboly sei stolz darauf gewesen, dass er am selben Tag wie Hitler, am 20. April, Geburtstag feierte." (Bild-Kolportage der FAZ-Meldung)

"Amokläufer war ein Rassist" – "Sein … Mitwisser (16) … wurde inzwischen in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht." (BILD, 28.Juli 2016)

Amoklauf in München: 18-jähriger hatte Tat ein Jahr lang geplant 22.07.2016 | Bayernreporter
Zwei Tage nach dem Amoklauf am Olympia Einkaufszentrum in München, hat das bayerische Landeskriminalamt weitere Details zum Täter bekannt gegeben. Der 18-Jährige hat seine Opfer nach den bisherigen Ermittlungen nicht gezielt ausgesucht. Dies teilte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit. Einen politischen Hintergrund der Tat schloss er klar aus.

{Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum.}

Es habe sich bestätigt, dass der Amokläufer wegen einer psychiatrischen Erkrankung behandelt wurde. In der Wohnung habe man ärztliche Behandlungsunterlagen gefunden, die auf eine Angststörung und Depressionen hindeuteten. Er habe sich sowohl in stationärer und ambulanter Behandlung befunden. Zudem habe man Medikamente gefunden.
Der Amokläufer von München habe ein eigenes schriftliches «Manifest» zu seinen Taten verfasst, sagte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger. Der Täter habe sich seit einem Jahr mit dieser Tat befasst und Winnenden besucht, den Ort eines früheren Amoklaufs. Nach Angaben der Ermittler hat der Täter auch intensiv gewaltverherrlichende Videospiele wie «Counterstrike» gespielt.

Bei der Bluttat am Freitagabend erschoss der Deutsch-Iraner vor einem Einkaufszentrum neun Menschen, sieben davon mit Migrationshintergrund. Bis auf ein 45-jähriges Opfer waren alle zwischen 15 und 20 Jahre alt. Drei Menschen schwebten am Sonntag noch in Lebensgefahr. Insgesamt gab es laut Landeskriminalamts 35 Verletzte. Der Amoklauf sorgt weltweit für Entsetzen und Anteilnahme.

Der Täter hat am Tatort fast 60 Schüsse abgegeben. 57 Hülsen seien dort entdeckt worden, die «eindeutig» der Tatwaffe zugeordnet werden könnten, sagte Heimberger.

Zusammenfassung der ersten Pressekonferenz am Tag nach der Tat:

Am Tag nach dem schrecklichen Anschlag in München, hat die Polizei weitere Details zur Bluttat bekannt gegeben. Demnach hatte der Täter, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, keinen Bezug zum Islamischen Staat. Die Tat könne als "klassischer Amoklauf" eingestuft werden, so der leitende Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Scheinbar litt der Täter, der in München geboren wurde und aufwuchs, an Depressionen und war der Polizei bis zum gestrigen Freitag (22.07.) nicht bekannt.

+++ Illegale 9mm Waffe ++++

Für seine Tat nutzte der Amokläufer eine 9mm Glock-Pistole, die er scheinbar illegal besessen hatte. Die Seriennummer war ausgefeilt. Demnach hatte der 18-jährige mehr als 300 Schuss Monition bei sich. Noch in der Nacht wurde die Wohnung in der Nähe des Stiegelmaier-Platzes, in der der Mann mit seinen Eltern lebte, durchsucht. Dort wurden eindeutige Hinweise gefunden, dass sich der Täter längere Zeit mit dem Thema "Amoklauf" beschäftigte. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Die Polizei sieht allerdings einen Zusammenhang zwischen der Tat in München und den "Breivik-Anschlägen" in Norwegen, die gestern auf den Tag genau vor fünf Jahren abgespielt haben.

+++ Jugendliche unter den Opfern +++

Insgesamt kamen bei dem Anschlag zehn Menschen um’s Leben, darunter auch der Täter, der sich laut Angaben der Polizei selbst gerichtet hat. Viele der weiteren neun Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

Aus Sicherheitsgründen müssten in München am Wochenende nach Angaben Andräs keine Veranstaltungen abgesagt werden. Zur Zeit seien noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz.

+++ Was war passiert? +++

Ein beispielloses Attentat in München erschüttert Deutschland: 10 Menschen sind in der bayerischen Landeshauptstadt erschossen worden,16 weitere liegen teilweise noch schwer verletzt in den Krankenhäusern. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Attentäter von München um einen Einzeltäter handelte.

Rund 2300 Einsatzkräfte waren in München. Darunter die GSG 9 aus NRW. Die Sondereinsatzkommandos aus Hessen und Baden Württemberg unterstützten die Kollegen aus Bayern, ebenso das Sondereinsatzkomando "Kobra" aus Österreich. Aus ganz Bayern wurde die Bereitschaftspolizei , das LKA zusammengezogen. Die Hubschrauberstaffel kreiste großräumig über der Landeshauptstadt und über die Stadtgrenzen hinaus.


Amoklauf in München: Die aktuellen Entwicklungen im News-Ticker: Aktualisiert: 31.07.16 – 17:28,
Toleranz-Verein: Rassismus nicht als Tatmotiv ausschließen

◦Am Sonntag, 31. Juli 2016, findet in München eine Trauerfeier für die Opfer statt – Angela Merkel und Joachim Gauck werden erwartet.
17.27 Uhr: Der Vorsitzende des Vereins „München ist bunt“, Micky Wennegatz, hat davor gewarnt, Rassismus als Tatmotiv für den Amoklauf in einem Münchner Einkaufszentrum auszuschließen. Die Schlussfolgerung, der Täter habe selbst einen Migrationshintergrund, darum habe Rassismus keine Rolle gespielt, sei fatal. „Es müssen alle Motive ernsthaft geprüft werden“, sagte Wenngatz. „Denn nur dann lässt sich eine einseitige Beleuchtung der Dinge verhindern.“
14.27 Uhr: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen findet um 16 Uhr ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Amoklaufs im Münchner Liebfrauendom statt. Erwartet werden unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel. Der BR überträgt die Feier live.
9.33 Uhr: Neun Tage nach dem Amoklauf spricht erstmals der Vater des Todesschützen, Masoud S., über die Bluttat und den Verlust seines Sohnes. Die Familie erhält Morddrohungen, S. sagt, ihr Leben in München sei "erledigt".
30.Juli (newsticker)
8.59 Uhr: Laut SZ ergab eine erste toxikologische Untersuchung: Ali David S. hatte nur noch leichte Spuren von Antidepressiva im Blut, er hatte die Tabletten gegen Depressionen, die er genommen hatte, vor dem Amoklauf also offenbar eigenhändig abgesetzt.

Posted by quapan on 2016-07-28 19:30:22

Tagged: , Rassist , racism , Geschlossene Psychiatrie , Rechtsextremist


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